Wandern Puschlav: Die schönsten Höhenwege im Valposchiavo
Wer im Valposchiavo unterwegs ist, merkt schnell: Wandern im Puschlav bedeutet mehr als nur Höhenmeter sammeln. Auf engstem Raum wechseln sich Gletscherzungen, Kastanienwälder, ein türkisfarbener Bergsee und jahrhundertealte Saumpfade ab – und mittendrin fährt die kleine rote Bahn der Rhätischen Bahn über Viadukte, die zum UNESCO-Welterbe gehören. Wer für ein paar Tage oder eine ganze Ferienwoche ins Tal kommt, findet hier eines der dichtesten und abwechslungsreichsten Wandergebiete Graubündens – ideal für Familien, die morgens noch gemütlich frühstücken und mittags schon am Gletschersee stehen wollen.
Dieser Beitrag zeigt, welche Routen sich besonders lohnen, welche Fakten und Zahlen das Tal auszeichnen und wie ihr euer Wandern im Puschlav optimal mit Bahn, Postauto und ein wenig Lokalkolorit verbindet.
Warum das Valposchiavo ein Wanderparadies ist
Das Puschlav gehört zu den italienischsprachigen Südtälern Graubündens und liegt zwischen dem Berninapass und der Grenze zu Italien. Wer Wandern im Puschlav plant, profitiert von einem Wegnetz, das seinesgleichen sucht: Über 250 Kilometer markierte Wanderwege durchziehen das Tal, mit Höhenlagen von rund 400 Metern bis auf 3'905 Meter am Piz Palü (Quelle: bergfex.com). Damit deckt das Tal auf engstem Raum praktisch jede Schwierigkeitsstufe ab – vom flachen Spazierweg am See bis zur hochalpinen Gletschertour.
Was das Gebiet für Familien besonders macht, ist die Kombination aus Vielfalt und kurzen Distanzen: Wer morgens durch blühende Wiesen spaziert, kann am Nachmittag mit der Bahn hinauf zum Gletscher fahren und trotzdem rechtzeitig zum Abendessen zurück sein. Diese Dichte an unterschiedlichen Landschaften auf kleinem Raum ist es, die das Valposchiavo von vielen anderen Bündner Tälern unterscheidet.
Drei Klimazonen auf 25 Kilometern
Kaum ein Alpental verändert sich auf so kurzer Strecke so stark wie das Valposchiavo. Auf gerade einmal 25 Kilometern Länge durchquert man drei unterschiedliche Klimazonen (Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz) – ein Umstand, der das Tal auch landschaftlich zu einem der spannendsten Wandergebiete der Schweiz macht.
Hochalpine Passwelt: Berninapass und Alp Grüm
Oben, zwischen dem Berninapass auf 2'235 Metern und Alp Grüm auf 2'091 Metern, dominieren Gletscher, Geröllfelder und alpine Seen. Hier startet die berühmte Wanderung von Alp Grüm zur Cape Diavolezza oder hinunter Richtung Cavaglia – mit freiem Blick auf den Palügletscher, einen der markantesten Gletscher der Bernina-Gruppe.
Von Kastanienwäldern bis zum Talboden
Weiter unten, zwischen Cavaglia auf 1'703 Metern und Le Prese auf 965 Metern, liegt die alpine Zone mit ihren typischen Maiensässen und Alpweiden. Ab Brusio Richtung Talausgang beginnt schliesslich die subalpine Zone, in der sogar Kastanienwälder und Rebberge gedeihen – ein Hinweis auf das milde, fast schon südliche Klima im untersten Talabschnitt.
Der Lago di Poschiavo – Herzstück des Tals
Mitten im Tal, auf 962 Metern über Meer, liegt der Lago di Poschiavo (Quelle: Wikipedia/Outdooractive) – mit 2,5 Kilometern Länge, einer Fläche von 1,98 Quadratkilometern und einer maximalen Tiefe von 85 Metern der grösste natürliche See der Region. Rund um den See liegen die kleinen Siedlungen Le Prese, Miralago und Cantone, die sich hervorragend als Ausgangspunkte für gemütliche Familienwanderungen eignen.
Der Rundweg um den See ist flach, schattig und in gut zwei Stunden zu bewältigen – perfekt für einen Nachmittag mit Kindern oder als Erholung nach einer anspruchsvolleren Bergtour. Im Sommer laden mehrere kleine Buchten zum Baden ein, was den See auch an heissen Tagen zu einem beliebten Ziel macht.
Neben Wandern lässt sich der See auch mit dem Stand-up-Paddle oder beim Angeln erleben, was ihn zu einem vielseitigen Ausflugsziel für Familien mit unterschiedlichen Interessen macht. Wer lieber am Ufer bleibt, findet an mehreren Stellen schattige Picknickplätze mit Blick auf die umliegenden Gipfel.
Wandern Puschlav mit Bahnanschluss – das UNESCO-Welterbe erleben
Ein Grund, warum Wandern im Puschlav so unkompliziert ist: Die Berninabahn der Rhätischen Bahn durchquert das ganze Tal und verbindet die wichtigsten Ausgangspunkte. Seit 2008 gehört die 122 Kilometer lange Strecke zwischen Thusis und Tirano als «Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bernina» zum UNESCO-Welterbe (Quelle: rhb.ch). Sie überwindet Steigungen von bis zu 70 Promille ganz ohne Zahnradtechnik und gilt damit als höchste Adhäsionsbahn der Alpen.
Für Wanderfamilien bedeutet das: Man muss nicht denselben Weg zurücklaufen. Bergauf mit dem Zug, bergab zu Fuss – oder umgekehrt. Das macht auch anspruchsvollere Routen für Kinder machbar, weil man den Rückweg einfach der Bahn überlassen kann.
Die schönsten Bahn-Wanderungen kombinieren
Besonders beliebt ist die Strecke von Alp Grüm hinunter nach Cavaglia, vorbei an den beeindruckenden Gletschermühlen, die während der letzten Eiszeit entstanden sind. Auch die Fahrt über den offenen Bahnhof Ospizio Bernina, mit 2'253 Metern der höchste offene Bahnhof Europas, lohnt sich für einen kurzen Fotostopp, bevor es zu Fuss weiter hinunter ins Tal geht.
Historische Saumpfade: Wandern auf den Spuren des Weinhandels
Lange bevor die Bahn das Tal erschloss, war das Puschlav ein wichtiger Verkehrsknoten zwischen Norden und Süden. Über Jahrhunderte zogen Säumer mit Maultieren Wein, Salz und andere Güter über die Pässe zwischen dem Veltlin und dem Engadin – ein Handel, der dem Tal Wohlstand brachte und bis heute in Wegnamen und alten Kellergewölben sichtbar ist.
Ein Teilstück dieser historischen Route lässt sich auf der sogenannten Via Valtellina nachwandern, die von Poschiavo über San Romerio bis nach Tirano im italienischen Veltlin führt. Wer diese Etappen geht, wandert nicht nur durch eindrückliche Landschaft, sondern auch durch ein Stück Wirtschaftsgeschichte, das die Region bis heute prägt – vom Weinbau im Talboden bis zu den italienisch geprägten Ortsnamen.
Die schönsten Wandertouren im Valposchiavo für Familien
Wer zum ersten Mal wandern im Puschlav ausprobiert, findet hier eine Auswahl an Routen, die sich sowohl für geübte Wanderer als auch für Familien mit Kindern eignen.
Cavaglia – Gletschermühlen und Panoramawege
Der Themenweg bei Cavaglia führt zu den grössten Gletschermühlen Europas – riesige, glattgeschliffene Löcher im Fels, entstanden durch Schmelzwasser der letzten Eiszeit. Der Rundweg ist familienfreundlich, gut beschildert und mit Informationstafeln versehen, die die Entstehung der Mühlen anschaulich erklären.
San Romerio – Wallfahrtskirche mit Aussicht
Hoch über dem Talboden thront die romanische Wallfahrtskirche San Romerio. Der Aufstieg dauert je nach Route zwei bis drei Stunden und wird mit einem der schönsten Panoramablicke auf den Lago di Poschiavo belohnt. Traditionell übernachten hier am Vorabend des Kirchenfests im Juni Pilger auf Stroh in der Kirche – ein Brauch, der bis heute lebendig ist.
Lago di Saoseo und Val da Camp – zum schönsten Bergsee der Region
Für ambitioniertere Wanderfamilien lohnt sich der Ausflug ins Val da Camp mit dem Lago di Saoseo, der zu den schönsten Bergseen Graubündens zählt. Die Route führt durch lichte Arvenwälder und vorbei an bewirtschafteten Alphütten, bevor sich der türkisblaue See zwischen schroffen Gipfeln öffnet. Ideal als Tagestour mit Rucksackverpflegung und einer Rast an einer der Alphütten.
Rund um den Lago di Poschiavo
Für einen entspannten Tag mit kleineren Kindern eignet sich der Rundweg um den Lago di Poschiavo. Er verläuft grösstenteils flach, bietet immer wieder Zugang zum Wasser und lässt sich beliebig mit einer Zugfahrt oder einem Postauto-Abschnitt abkürzen.
Tierwelt am Wegesrand
Wer aufmerksam unterwegs ist, begegnet im Puschlav regelmässig Gämsen und Steinböcken, die sich an den steilen Hängen rund um den Berninapass wohlfühlen. In den frühen Morgenstunden lassen sich häufig Murmeltiere beobachten, deren Pfiffe schon von Weitem zu hören sind. Auch Bartgeier, die in den letzten Jahrzehnten in den Alpen wiederangesiedelt wurden, sind gelegentlich über dem Tal zu sehen – ein Zeichen für die intakte Bergnatur des Valposchiavo.
Auch botanisch hat das Tal einiges zu bieten: Im Frühsommer verwandeln Alpenrosen, Enzian und Arnika die höher gelegenen Weiden in farbige Blumenteppiche. Wer im August unterwegs ist, erlebt die Alpwiesen in ihrer vollen Blütenpracht, bevor im Herbst die Lärchenwälder das Tal in leuchtendes Gold tauchen.
Menschen und Kultur im Valposchiavo
Das Puschlav zählt aktuell rund 3'505 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 2024, Quelle: Gemeinde Poschiavo), und ist damit eines der kleineren, aber kulturell eigenständigsten Täler Graubündens. Die Bevölkerung spricht mehrheitlich Italienisch und ist überwiegend katholisch, mit einer reformierten Minderheit, die bis in die Zeit der Reformation zurückreicht. Diese kulturelle Prägung ist auf den Wanderwegen überall spürbar: in den Dorfplätzen, den Kirchtürmen und nicht zuletzt in der Küche, die italienische und Bündner Einflüsse vereint.
Praktische Tipps für euer Wandern im Puschlav
Die beste Zeit zum Wandern im Puschlav ist von Juni bis Oktober, wobei die hochalpinen Routen rund um Alp Grüm und den Berninapass erst ab Mitte Juni schneefrei sind. Im August, wenn die Tage lang und die Alpwiesen in voller Blüte stehen, lassen sich auch anspruchsvollere Touren gut mit Kindern kombinieren.
Ein paar Tipps aus der Praxis: Festes Schuhwerk ist auch auf einfacheren Wegen empfehlenswert, da viele Routen über Naturpfade mit Wurzeln und Geröll führen. Wer die Bahn als Rückweg nutzen will, sollte die Fahrpläne der Rhätischen Bahn vorab prüfen, da die Verbindungen ausserhalb der Hauptsaison seltener verkehren. Und wer unterwegs einkehren möchte: Viele der kleinen Berggasthäuser entlang der Routen bieten hausgemachte Pizzoccheri oder Polenta an – eine Stärkung, die zur Region passt wie kaum etwas anderes.
Auf den höheren Routen rund um Alp Grüm, Diavolezza oder ins Val da Camp lohnt sich zudem ein Blick auf die bewirtschafteten Berghütten entlang des Wegs: Viele bieten nicht nur eine Verpflegungsmöglichkeit, sondern im Notfall auch Schutz vor plötzlichem Wetterumschwung, der in den hochalpinen Zonen jederzeit möglich ist. Eine Wetterprognose vor dem Start sowie ausreichend Wasser und Sonnenschutz gehören daher auch im Hochsommer zur Grundausstattung.
Euer Ausgangspunkt: Ferienhäuser von Holiweek
Ob Rundweg um den Lago di Poschiavo, Bahn-Wanderung ab Alp Grüm oder Ausflug zu den Gletschermühlen von Cavaglia: Mit einer Ferienunterkunft von Holiweek mitten im Valposchiavo seid ihr in wenigen Minuten auf dem Wanderweg. In unseren Häusern, darunter Casa Beni, Casa Rustico, Casa Nicola, Casa Presa Daint, Casa The View und die Wohnung Poschiavo, findet jede Familie den passenden Rückzugsort nach einem Tag in den Bergen. Schaut vorbei auf holiweek.ch und sichert euch euer Ferienhaus für die nächste Wandersaison im Puschlav.



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