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Berninabahn Puschlav: Eine Zugfahrt durch das UNESCO-Welterbe der Alpen

Wer die Berninabahn Puschlav zum ersten Mal erlebt, versteht sofort, warum diese Strecke zu den aussergewöhnlichsten Bahnlinien der Welt zählt. Rote Waggons schlängeln sich durch schroffe Gletscherlandschaften, vorbei an smaragdgrünen Bergseen, ehe sie hinunter ins mediterran anmutende Valposchiavo mit seinen Kastanienwäldern und Weinreben rollen. Für uns im Tal ist die Bahn weit mehr als eine touristische Attraktion, sie ist Lebensader, Geschichtsbuch und Wahrzeichen zugleich. In diesem Beitrag nehmen wir euch mit auf eine Reise durch die Geschichte, die technischen Meisterleistungen und die schönsten Aussichtspunkte entlang der Strecke, und zeigen, warum sich ein Ausflug mit der Berninabahn Puschlav gerade für Familien lohnt.

Von der Kohlenbahn zum Weltkulturerbe - die Geschichte der Berninabahn

Die Geschichte der Berninabahn beginnt in einer Zeit, als die Alpen für den Bahnverkehr noch als kaum bezwingbar galten. Am 5. Juli 1910 wurde die durchgehende Strecke von St. Moritz über den Berninapass bis nach Tirano eröffnet und schuf damit erstmals eine direkte Bahnverbindung zwischen dem Engadin und dem italienischen Veltlin. Der Bau war eine enorme Herausforderung: Arbeiter mussten Trassen in steile Felshänge sprengen, Lawinenverbauungen errichten und Brücken über tiefe Schluchten spannen, oft unter widrigsten Wetterbedingungen und in grosser Höhe. Ingenieure planten die Linie ursprünglich auch für den Güterverkehr, unter anderem für Kohle, die ins Tal gebracht wurde. Daher rührt der volkstümliche Name "Kohlenbahn", unter dem die Strecke in ihren Anfangsjahren bekannt war. Heute, mehr als hundert Jahre später, ist die Berninabahn vor allem für ihre Panoramafahrten berühmt und verbindet das Puschlav mit dem Rest der Schweiz und mit Italien.

Eine technische Pionierleistung ohne Zahnrad

Was die Berninabahn bis heute besonders macht, ist ihre Bauweise: Die Strecke überwindet ihre enormen Höhenunterschiede rein durch Adhäsion, also allein durch die Reibung der Räder auf den Schienen, ganz ohne Zahnradunterstützung. An der Steilstrecke erreicht sie Steigungen von bis zu 70 Promille, also 7 Prozent. Am höchsten Punkt bei Ospizio Bernina liegt die Bahnlinie auf 2'253 Metern über Meer, was sie zur höchstgelegenen Adhäsionsbahn der Alpen macht (Quelle: Rhätische Bahn, rhb.ch). Wer im Zug sitzt und den Blick auf den Lago Bianco und die Gletscherwelt des Berninamassivs richtet, bekommt eine Ahnung davon, welche ingenieurtechnische Leistung hier vor über hundert Jahren vollbracht wurde, lange bevor moderne Baumaschinen zur Verfügung standen.

Seit 2008 UNESCO-Welterbe

2008 wurde die Strecke zwischen Thusis und Tirano gemeinsam mit der Albulalinie als "Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bernina" in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Damit ist sie erst die dritte Eisenbahnlinie weltweit, die von der UNESCO als von universellem Wert eingestuft wurde (Quelle: rhb.ch). Ausschlaggebend waren nicht nur die spektakulären Bauwerke, sondern auch die Art, wie sich die Bahnlinie harmonisch in die alpine Landschaft einfügt, ohne sie zu dominieren. Für das Puschlav bedeutet dieser Status auch eine Verpflichtung: Landschaft, Bauwerke und Dörfer entlang der Strecke sollen so erhalten bleiben, wie Reisende sie schon vor Generationen erlebt haben.

Eine Grenzbahn mit bewegter Vergangenheit

Weil die Strecke direkt an der Grenze zu Italien endet, war die Berninabahn über Jahrzehnte hinweg auch eng mit der Grenzgeschichte des Puschlavs verbunden. Während und nach den Weltkriegen nutzten Schmuggler die abgelegenen Passwege rund um die Bahnlinie, um Kaffee, Reis, Zucker und andere knappe Güter über die Grenze zu bringen, oft nur wenige hundert Meter von den Bahngleisen entfernt. Manche Familien im Tal erzählen diese Geschichten bis heute weiter, und wer aufmerksam durch die Dörfer entlang der Strecke spaziert, stösst immer wieder auf kleine Hinweise auf diese Zeit, etwa alte Zollhäuser oder schmale Passwege, die früher für ganz andere Zwecke genutzt wurden als für Wanderferien.

Der Kreisviadukt von Brusio - das Wahrzeichen des Puschlavs

Kein anderes Bauwerk der Berninabahn ist so bekannt wie der Kreisviadukt von Brusio. Die neunbogige Steinbrücke wurde bereits 1908 eröffnet und diente einem ganz praktischen Zweck: Auf kurzer Distanz musste ein beträchtlicher Höhenunterschied überwunden werden, ohne dass die Steigung zu steil für die Züge geworden wäre. Die Lösung der Ingenieure war ebenso einfach wie genial: eine Spirale aus Stein, 142,80 Meter lang, auf der sich die Züge in einer vollen Schlaufe über sich selbst hinwegschrauben (Quelle: Wikimedia Commons / Rhätische Bahn). Wer am Hang oberhalb von Brusio steht und einen Zug beobachtet, der sich in dieser eleganten Kurve durch die Landschaft windet, versteht, warum dieses Bild zu einem der meistfotografierten der Schweizer Alpen gehört. Für Familien ist der Aussichtspunkt beim Kreisviadukt ein dankbares Ziel: Der Fussweg ist kurz, die Fotomotive sind grossartig, und mit etwas Geduld lässt sich die Durchfahrt eines Zuges genau timen.

Die Berninabahn Puschlav erleben - die schönsten Streckenabschnitte

Von Ospizio Bernina hinab ins Tal

Die eindrücklichste Fahrt beginnt am höchsten Punkt der Strecke bei Ospizio Bernina. Von dort aus führt die Bahn vorbei am Lago Bianco und Lago Nero, quert die karge Passlandschaft und erreicht nach der Station Alp Grüm einen der schönsten Ausblicke der gesamten Strecke: Der Blick reicht hinunter ins Valposchiavo, über den Palügletscher bis weit ins Tal. Anschliessend windet sich die Bahn in engen Schlaufen und Kehren talwärts, vorbei an Poschiavo, bis sie schliesslich bei Brusio den berühmten Kreisviadukt passiert und danach die Grenze nach Italien überquert.

Die Berninabahn im Jahresverlauf

Im Sommer fahren zusätzlich die offenen Panoramawagen des Bernina Express, die einen ungehinderten Blick auf Gletscher und Bergseen erlauben. Im Winter verwandelt sich dieselbe Strecke in ein Postkartenmotiv: Der rote Zug schlängelt sich durch verschneite Landschaften, während Ospizio Bernina und der Lago Bianco unter einer dicken Schneedecke liegen. Beide Jahreszeiten haben ihren eigenen Reiz, und viele Familien aus dem Puschlav nutzen die Bahn das ganze Jahr über, sei es für einen Tagesausflug, für den Schulweg der Kinder in den umliegenden Dörfern oder schlicht als bequemes Verkehrsmittel zum Wandern.

Auch der Herbst hat auf dieser Strecke seinen ganz eigenen Reiz: Die Lärchenwälder rund um Poschiavo und Brusio färben sich goldgelb, und die klare Herbstluft sorgt oft für eine besonders weite Sicht bis zu den Gipfeln des Berninamassivs. Wer die Bahnfahrt mit einer Wanderung verbinden möchte, findet in dieser Jahreszeit angenehme Temperaturen und deutlich weniger Andrang als im Hochsommer.

Zahlen und Fakten zur Bahnstrecke Thusis-Tirano

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, welche Dimension das gesamte UNESCO-Streckennetz hat:

  • 122 Kilometer lang ist die gesamte Welterbestrecke zwischen Thusis und Tirano (Quelle: Rhätische Bahn, rhb.ch)

  • 196 Brücken und 55 Tunnel überwindet die Strecke auf ihrem Weg durch die Alpen (Quelle: rhb.ch)

  • 20 Gemeinden werden entlang der Strecke durchquert oder erschlossen (Quelle: rhb.ch)

  • 2'253 Meter über Meer liegt der höchste Punkt der Strecke bei Ospizio Bernina (Quelle: rhb.ch)

Diese Zahlen machen deutlich, warum der Bau der Bahn zu Beginn des 20. Jahrhunderts als technische Sensation galt, und warum sie bis heute als eines der grossen Bahnabenteuer Europas gilt.

Wandern entlang der Bahnlinie - Zug und Fuss im Doppelpack

Eine der schönsten Arten, das Valposchiavo kennenzulernen, ist die Kombination aus Bahnfahrt und Wanderung. Weil die Berninabahn zahlreiche Haltestellen entlang der Strecke bedient, lassen sich Wanderungen bequem planen: mit dem Zug hinauf, zu Fuss wieder hinunter, oder umgekehrt. Das Valposchiavo selbst bietet dafür beste Voraussetzungen: Auf einer Fläche von 237 Quadratkilometern erstrecken sich rund 250 Kilometer markierte Wanderwege durch Wälder, Alpweiden und entlang der zahlreichen Bergseen des Tals (Quelle: Valposchiavo Turismo). Nur rund 4'500 Menschen leben im gesamten Tal, verteilt auf die beiden Gemeinden Poschiavo, mit rund 3'500 Einwohnerinnen und Einwohnern auf 1'014 Metern Höhe, und Brusio mit etwa 1'150 Einwohnerinnen und Einwohnern auf 780 Metern (Quelle: Valposchiavo Turismo). Diese geringe Bevölkerungsdichte ist einer der Gründe, warum das Tal bis heute so ursprünglich geblieben ist, ideal für Familien, die abseits des Trubels wandern möchten.

Wer mit Kindern unterwegs ist, findet zwischen Alp Grüm und Poschiavo mehrere kurze, familientaugliche Abschnitte, bei denen die Bahn als bequemer Rück- oder Hintransport dient. Besonders beliebt ist die Wanderung von Alp Grüm hinunter Richtung Cavaglia, vorbei an den bekannten Gletschertöpfen, die während der letzten Eiszeit entstanden sind, und die auch jüngere Kinder mit ihrer ungewöhnlichen Form begeistern.

Praktische Tipps für einen Familienausflug entlang der Berninabahn

Für einen entspannten Ausflug mit Kindern lohnt es sich, frühzeitig zu planen. In der Hochsaison sind die Panoramawagen der Berninabahn beliebt und teils ausgebucht, eine Reservierung ist daher empfehlenswert. Wer flexibel bleiben möchte, steigt einfach in einen der regulären Züge, die ebenfalls grosse Fenster und viel Aussicht bieten, aber ohne Reservierungspflicht auskommen. Mit dem Halbtax oder regionalen Tageskarten lässt sich die Strecke mehrmals nutzen, um verschiedene Ausstiegspunkte zum Wandern oder Fotografieren auszuprobieren. Für kleinere Kinder empfiehlt sich der kurze Fussweg zum Aussichtspunkt beim Kreisviadukt Brusio, während ältere Kinder und Jugendliche eher die anspruchsvolleren Wege rund um Alp Grüm oder zum Lago Bianco reizen dürften. Ein Picknick mit Blick auf die vorbeifahrenden roten Züge gehört für viele Familien im Puschlav zu den schönsten Ferienerinnerungen, und wer die genauen Fahrpläne und aktuelle Informationen sucht, wird auf der Webseite der Rhätischen Bahn fündig.

Am Ende bleibt vor allem eines: der Eindruck, wie eng Technik, Geschichte und Landschaft im Puschlav miteinander verwoben sind. Die Berninabahn ist kein stilles Museumsstück, sondern eine lebendige Verbindung, die täglich Menschen, Waren und Geschichten durch die Alpen transportiert, genau wie vor über hundert Jahren. Wer einmal am Fenster gesessen und die Landschaft vorbeiziehen gesehen hat, versteht, warum so viele Gäste immer wieder ins Valposchiavo zurückkehren.

Euer Ausgangspunkt: Ferienhäuser von Holiweek

Wer die Berninabahn Puschlav und die umliegenden Wanderwege in Ruhe erkunden möchte, braucht vor allem eines: eine gemütliche Basis mitten im Tal. Genau die bieten wir mit unseren Ferienhäusern von Holiweek. Ob Casa Beni, Casa Rustico, Casa Nicola, Casa Presa Daint, Casa The View oder die Wohnung Poschiavo, jede unserer Unterkünfte liegt so, dass ihr die Bahnstationen, Wanderwege und Dorfkerne des Valposchiavo bequem erreicht, und abends mit Blick auf die Berge zur Ruhe kommt. Schaut vorbei auf holiweek.ch und findet die passende Unterkunft für eure nächste Zugreise durchs UNESCO-Welterbe.

 
 
 

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