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Herbst im Puschlav: Kastanien, goldene Lärchen und die stillste Jahreszeit im Valposchiavo

Der Herbst im Puschlav beginnt nicht an einem bestimmten Tag. Er kriecht von oben ins Tal hinunter. Anfang September liegt am Berninapass auf 2'328 Metern schon der erste Schnee, während unten bei Brusio auf 780 Metern noch grüne Kastanienigel in den Bäumen hängen. Zwischen diesen beiden Punkten liegen keine 20 Kilometer Luftlinie – und trotzdem zwei völlig verschiedene Jahreszeiten.

Genau das macht den Herbst im Valposchiavo zur vielleicht interessantesten Zeit für einen Besuch. Wer im Oktober kommt, kann morgens im T-Shirt durch Kastanienhaine spazieren und nachmittags im Schnee stehen. In diesem Beitrag zeigen wir euch, was das Tal zwischen September und November ausmacht – und liefern die Zahlen dazu.


Das Puschlav in Zahlen: Warum hier so vieles gleichzeitig wächst

Bevor es um den Herbst geht, ein paar Eckdaten zum Tal. Sie erklären mehr, als es auf den ersten Blick scheint.

  • Rund 1'800 Höhenmeter Unterschied – das Tal beginnt im Norden am Berninapass auf 2'328 m ü. M. und endet an der italienischen Grenze bei Tirano auf rund 500 Metern. Auf einer Länge von nur etwa 25 Kilometern.

  • 250 Kilometer markierte Wanderwege durchziehen das Valposchiavo, laut Valposchiavo Turismo von rund 400 Metern bis hinauf auf 3'905 Meter am Piz Palü.

  • Rund 4'650 Menschen leben im ganzen Tal – etwa 3'500 in Poschiavo und rund 1'150 in Brusio. Zum Vergleich: 1950 waren es noch 5'562 Menschen allein in Poschiavo.

  • 94 bis 95 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche werden biologisch bewirtschaftet – gemäss dem Agrarbericht des Bundes zum Projekt «100% Bio Valposchiavo». Ein Wert, den kaum eine andere Region der Schweiz erreicht.

  • Viertgrösste Gemeinde Graubündens nach Fläche ist Poschiavo – und gleichzeitig eine der waldreichsten Gemeinden der ganzen Schweiz. Das erklärt, warum der Herbst hier optisch so viel hergibt.

  • Seit 2008 UNESCO-Welterbe ist die Bahnstrecke Albula/Bernina – rund 122 Kilometer zwischen Thusis und Tirano, die mitten durchs Tal führen.


Warum der Herbst im Puschlav die unterschätzteste Jahreszeit ist

Die meisten Gäste kommen im Juli und August. Das ist verständlich – und aus unserer Sicht ein Fehler. Denn im Herbst passiert im Tal etwas, das im Hochsommer schlicht nicht möglich ist: Alle Vegetationsstufen sind gleichzeitig zugänglich, und jede sieht anders aus.


Drei Vegetationsstufen an einem einzigen Tag

  • 500 bis 900 Meter – die mediterrane Stufe: Kastanienhaine, Rebberge, Feigen- und Nussbäume rund um Brusio und Campocologno. Hier ist es im Oktober an sonnigen Tagen oft noch angenehm warm.

  • 900 bis 1'800 Meter – die Lärchenstufe: Die Lärche ist der einzige einheimische Nadelbaum, der im Herbst seine Nadeln abwirft. Vorher färbt sie sich leuchtend goldgelb – das ist der Grund, warum ganze Hänge im Oktober aussehen, als würden sie brennen.

  • Über 2'000 Meter – die alpine Stufe: Alpweiden, Blockschutt und Gletscher. Die Bahnstation Alp Grüm liegt auf 2'091 Metern, der Ospizio Bernina auf 2'253 Metern. Hier fällt der erste Schnee regelmässig schon im September.


Die Wanderwege gehören euch fast allein

Die Wandersaison im Puschlav läuft in der Regel von Mai bis Oktober. Der September und der frühe Oktober sind dabei die stabilste Phase: klare Luft, weniger Gewitter als im Hochsommer, und auf vielen der 250 Wanderkilometer begegnet ihr an einem Werktag kaum jemandem. Wer im Sommer schon einmal am Lago di Poschiavo einen Parkplatz gesucht hat, weiss den Unterschied zu schätzen.


Kastanienzeit: Wenn das Tal nach Feuer und Rauch riecht

Die Kastanie ist im unteren Puschlav kein Dekorationselement, sondern jahrhundertealte Nahrungsgrundlage. In Brusio und Campocologno stehen die Haine bis heute auf Land, das Patrizierfamilien gehört und von Generation zu Generation weitergegeben wird. Wer im Oktober kommt, erlebt das nicht als Museum, sondern als laufenden Betrieb.


Die Kastanienwoche im Oktober

  • Rund eine Woche im Oktober dauert die «Settimana della castagna». 2024 fand sie vom 5. bis 13. Oktober statt, 2025 vom 4. bis 12. Oktober – die genauen Daten publiziert Valposchiavo Turismo jeweils im Spätsommer.

  • Die «Sagra della castagna» in Brusio bildet den Abschluss der Woche. Das Kastanienfest ist der Tag, an dem das halbe Tal auf der Strasse steht.

  • Geführte Besuche in den Kastanienhainen gehören zum Programm. Die Besitzerinnen und Besitzer erzählen dabei selbst die Geschichte ihrer Haine – das ist deutlich näher dran als jede Broschüre.

  • «Brasché» heissen die vor Ort über offenem Feuer gerösteten Kastanien im Puschlaver Dialekt. Sie werden in Campocologno direkt am Hain gegessen, noch heiss.


Was ihr sonst noch probieren solltet

Die Puschlaver Küche ist im Herbst am kräftigsten. Pizzoccheri aus Buchweizen, Capunet – die Puschlaver Antwort auf die Bündner Capuns – und Kastanienmehl in Kuchen und Broten. Dazu kommt, was das Tal an Milchprodukten hervorbringt: Der hohe Bio-Anteil von 94 bis 95 Prozent der Nutzfläche ist hier direkt schmeckbar, weil fast alles, was auf den Teller kommt, aus dem Tal selbst stammt.


Nebbiolo: Der Wein aus dem südlichsten Graubünden

Dass im Puschlav Wein wächst, überrascht viele Gäste. Der untere Talabschnitt geht bei Brusio und Campocologno von Wald in Rebberge und Kastanienhaine über – ein Landschaftsbild, das man in Graubünden sonst kaum findet.

  • Fünf Weinkellereien und zwei Weinhandlungen gibt es in den Gemeinden Poschiavo und Brusio. Für ein Tal mit 4'650 Einwohnern ist das eine erstaunliche Dichte.

  • Nebbiolo ist die Hauptsorte – dieselbe Traube, aus der im Piemont Barolo und Barbaresco entstehen. Aus auf Strohmatten getrockneten Nebbiolo-Trauben wird der kräftige Sforzato gekeltert.

  • September und Oktober sind Erntezeit. Wer in dieser Phase durch die Rebberge unterhalb von Brusio wandert, sieht dem Tal buchstäblich bei der Arbeit zu.


Die Berninabahn im Herbstlicht: 1'077 Höhenmeter durch die Farben

Die Berninabahn erschliesst das Tal seit 1910. Im Herbst ist sie mehr als ein Transportmittel: Sie ist der schnellste Weg, um in 40 Minuten durch drei Vegetationsstufen zu fahren. Die harten Fakten dahinter sind bemerkenswert.

  • 1'077 Höhenmeter auf 16,6 Kilometern überwindet die Bahn zwischen Poschiavo und Alp Grüm. Das entspricht einer durchschnittlichen Steigung, die anderswo nur mit Zahnrad bewältigt wird.

  • 55 Tunnel und 196 Brücken liegen auf der UNESCO-Strecke, mit Steigungen von bis zu 70 Promille – und das ohne jede Zahnradunterstützung.

  • 2'253 Meter über Meer liegt der Ospizio Bernina, der höchste Punkt der Strecke. Kein anderer Zug in Europa erreicht diese Höhe ohne Zahnstange.

  • 1908 gebaut wurde das Kreisviadukt von Brusio. Seine Funktion ist rein technisch: Es begrenzt die Steigung der Strecke auf maximal 7 Prozent. Seit 2008 gehört es zum UNESCO-Welterbe.

  • Alp Grüm auf 2'091 Metern ist die schönste Haltestelle für einen Herbsttag: Von der Aussichtsterrasse blickt man direkt auf den Palügletscher und über das ganze Tal.


Wildtiere im Herbst: Die Brunft beginnt

Der September ist im Alpenraum Brunftzeit beim Rothirsch. Wer früh am Morgen oder in der Dämmerung unterwegs ist, hört das Röhren der Hirsche über weite Distanzen – ein Erlebnis, das sich mit keiner Sommeraktivität vergleichen lässt.

  • Über 6'000 Steinböcke leben im Kanton Graubünden – der grösste Bestand und die grösste Zahl an Kolonien in der Schweiz. Landesweit sind es rund 16'000 Tiere.

  • Mitte des 18. Jahrhunderts war der Steinbock in Graubünden ausgerottet. Dass heute wieder Tausende Tiere in den Bündner Bergen leben, geht auf eine der erfolgreichsten Wiederansiedlungen Europas zurück.

  • Beste Beobachtungszeit ist die Dämmerung. Ein Fernglas gehört im Herbst ins Gepäck – im Val da Camp und rund um die Alp Grüm lohnt es sich besonders.


Drei Herbstwanderungen für unterschiedliche Ansprüche

Aus den rund 250 Wanderkilometern im Tal drei Vorschläge, die im Herbst besonders gut funktionieren.


1. Rund um den Lago di Poschiavo – flach und familientauglich

Der See liegt auf 962 m ü. M., misst 1,95 Quadratkilometer, ist rund 2,5 Kilometer lang und bis zu 80 Meter tief. Der Rundweg zwischen Le Prese im Norden und Miralago im Süden hat kaum Steigung und ist auch mit kleineren Kindern machbar. Im Oktober spiegeln sich die goldenen Hänge im Wasser – das ist der Klassiker unter den Herbstbildern des Tals.


2. Alp Grüm hinunter nach Cavaglia – mit der Bahn hinauf, zu Fuss hinunter

Die eleganteste Variante für einen Herbsttag: mit der Berninabahn auf 2'091 Meter hinauffahren, oben einkehren, und dann zu Fuss durch die Lärchenwälder hinunter nach Cavaglia. Man wandert dabei von der alpinen Stufe in die Waldstufe – die Farbwechsel sind auf dieser Strecke am deutlichsten sichtbar. Rückfahrt wieder mit der Bahn.


3. Val da Camp – für ruhige Tage und lange Beine

Das Seitental östlich von Poschiavo ist auch im Hochsommer nie überlaufen, im Herbst erst recht nicht. Hochmoore, Bergseen und weite Lärchenbestände. Wichtig: Hier ist die Saison kürzer als unten im Tal – ab Mitte Oktober kann oben bereits Schnee liegen. Vorher die Verhältnisse prüfen.


Praktisches: Was ihr für einen Herbstbesuch wissen solltet

  • Rechnet mit grossen Temperaturunterschieden. Zwischen Campocologno auf rund 550 Metern und dem Berninapass auf 2'328 Metern liegen im Oktober problemlos 12 bis 15 Grad Unterschied. Zwiebelprinzip statt einer dicken Jacke.

  • Die Wandersaison endet im Tal später als in den Höhen. Untenrum lässt sich oft bis November gehen, hochalpine Routen sind ab Mitte Oktober häufig geschlossen.

  • Die Tage werden schnell kürzer. Ende Oktober wird es im Tal bereits gegen 17 Uhr dämmrig – und weil die Berge hoch sind, verschwindet die Sonne an manchen Stellen noch früher. Startzeiten entsprechend planen.

  • Bucht die Kastanienwoche frühzeitig. Das Oktoberwochenende mit der Sagra della castagna in Brusio ist im Tal eines der gefragtesten des Jahres.

  • Anreise ohne Auto ist gut machbar. Die Berninabahn bedient das Tal seit 1910 und hält an allen wichtigen Orten. Im Herbst ist das oft entspannter als die Passfahrt.


Euer Ausgangspunkt: Ferienhäuser von Holiweek

Der Herbst im Puschlav funktioniert am besten, wenn man nicht nur zwei Nächte bleibt. Das Tal ist zwar nur 25 Kilometer lang, aber die 1'800 Höhenmeter dazwischen brauchen Zeit – und die Kastanienwoche im Oktober lohnt sich erst richtig, wenn man mehr als einen Tag davon mitbekommt.

Genau dafür gibt es unsere Häuser und Wohnungen im Tal: Casa Beni, Casa Rustico, Casa Nicola, Casa Presa Daint, Casa The View und die Wohnung in Poschiavo. Alle liegen dort, wo das Tal tatsächlich stattfindet – nicht am Rand, sondern mittendrin. Mit eigener Küche, damit ihr die Kastanien, den Käse und den Nebbiolo vom Markt auch selbst verarbeiten könnt.

Schaut euch die verfügbaren Unterkünfte auf holiweek.ch an und sichert euch euren Platz für den Herbst. Wir freuen uns auf euch im Valposchiavo.

 
 
 

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