Tierwelt Puschlav: Steinböcke, Hirsche und Murmeltiere im Valposchiavo
Wer an die Tierwelt im Puschlav denkt, denkt zuerst an Murmeltiere, die auf Alpwiesen pfeifen. Dabei hat das Valposchiavo viel mehr zu bieten: Steinböcke an steilen Felsflanken, Gämsen über der Baumgrenze und im Herbst das tiefe Röhren der Hirsche, das durch die Lärchenwälder hallt. Dieser Beitrag zeigt, welche Tiere im Tal und in Graubünden zu Hause sind, was die Zahlen dazu sagen und wie ihr Wildtiere mit Kindern respektvoll beobachten könnt.
Dazu gibt es einen Blick auf das Tal selbst: Wie gross ist es, wie viele Menschen leben hier und was hat die Landwirtschaft mit den Wildtieren zu tun?
Auf einen Blick: Die wichtigsten Zahlen
25 km Länge, 1'800 m Gefälle: Das Valposchiavo reicht vom Berninapass auf 2'328 m ü. M. bis nach Campocologno auf 553 m ü. M. (Quelle: Wikipedia, Val Poschiavo).
4'630 Einwohner: 3'525 leben in Poschiavo und 1'105 in Brusio (Stand 2023, localcities.ch auf Basis von Bundesdaten).
83.5 % Bio: So gross war 2021 der Anteil der biologisch bewirtschafteten Landwirtschaftsfläche im Tal (Quelle: Wikipedia, Val Poschiavo).
18'694 Steinböcke: So viele Tiere lebten 2021 in der Schweiz, rund zwei Drittel des gesamten Alpenbestands (Quelle: Wikipedia, Alpensteinbock).
13'485 Hirsche: So gross schätzt der Kanton Graubünden den Rothirschbestand im Frühling 2026 (Quelle: wildbeimwild.com).
6 bis 7 Monate: So lange dauert der Winterschlaf des Alpenmurmeltiers (Quelle: Wikipedia, Alpenmurmeltier).
Das Tal in Zahlen: Klein, steil und überraschend lebendig
Das Puschlav ist ein schmales Tal. Es misst laut Wikipedia knapp 25 Kilometer in der Länge und zwischen 6 und 16 Kilometer in der Breite. Auf dieser kurzen Strecke fällt das Gelände um fast 1'800 Höhenmeter ab. Rundherum stehen zahlreiche Gipfel über 3'000 Metern, der höchste ist der Piz Palü mit rund 3'900 Metern.
Genau diese Höhenunterschiede machen das Tal für Tiere so interessant. Wer vom Talboden bei Brusio zum Berninapass fährt, durchquert mehrere Lebensräume: Kastanienhaine und Weinbau unten, Lärchen- und Fichtenwälder in der Mitte, Alpweiden und Felsen oben.
18 Einwohner pro km²: In Poschiavo ist die Bevölkerungsdichte laut localcities.ch (2023) sehr tief. In Brusio sind es 24. Zum Vergleich: Der Schweizer Durchschnitt liegt bei über 200. Das Tal bleibt also dünn besiedelt, und Wildtiere haben Raum.
27.5 % über 65 Jahre: In Poschiavo ist gut jede vierte Person im Rentenalter, in Brusio sind es sogar 29.2 %. Nur 19 % bzw. 15.3 % der Bevölkerung sind unter 20 (Stand 2023).
63 von 84 Betrieben: So viele Landwirtschaftsbetriebe im Tal sind laut Wikipedia biozertifiziert. Das prägt Wiesen, Weiden und damit auch die Insekten- und Vogelwelt.
Seit 2008 UNESCO-Welterbe: Die Berninabahn gehört zum Welterbe. Die Bahn fährt auch durch Gebiete, in denen Hirsch und Reh am Morgen oft an den Waldrändern stehen.
Tierwelt Puschlav: Die Bündner «Big Five» im Überblick
Graubünden Ferien nennt fünf Tiere die «Big Five» der Bündner Berge: Steinbock, Gämse, Rothirsch, Murmeltier und Bartgeier. Alle fünf sind in den Bündner Alpen verbreitet, und das Puschlav mit seinen steilen Flanken, Wäldern und Alpweiden bietet ihnen passende Lebensräume. Hier die wichtigsten Fakten zu drei von ihnen.
Steinbock: Das Wappentier mit dem grossen Comeback
Der Steinbock steht im Bündner Wappen, und seine Geschichte ist eine der bemerkenswertesten des Alpenraums. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Tiere in den Alpen fast ausgerottet. Nur etwa 100 Tiere überlebten im Gran Paradiso in Italien.
1920: In diesem Jahr begann in den Bündner Bergen die erfolgreiche Wiederansiedlung in der Schweiz, nachdem Tiere 1906 in die Schweiz gebracht und in Wildparks gezüchtet worden waren.
Über 100 kg: Männliche Tiere wiegen mehr als 100 Kilogramm, Weibchen rund 40 Kilogramm. Die Hörner der Böcke werden bis zu einem Meter lang.
18'694 Tiere: Der Schweizer Bestand lag 2021 bei dieser Zahl. Seit 1977 wird er durch kontrollierte Jagd reguliert (Quelle: Wikipedia, Alpensteinbock).
Wer Steinböcke sehen will, schaut am besten in den frühen Morgenstunden an steile, felsige Hänge oberhalb der Waldgrenze. Ein Fernglas lohnt sich: Die Tiere halten meist Abstand.
Murmeltier: Sechs Monate Schlaf, sechs Monate Arbeit
Das Alpenmurmeltier ist das Tier, das Kinder am schnellsten erkennen: Es pfeift, wenn ein Steinadler über den Hang zieht, und verschwindet mit einem Satz im Bau.
6 bis 7 Monate Winterschlaf: Von etwa Oktober bis März schläft das Murmeltier im Bau. Neugeborene wiegen nur rund 30 Gramm, erwachsene Männchen mindestens 3 Kilogramm.
Von der Baumgrenze bis 200 m darüber: In diesem Höhenband fühlt sich das Murmeltier wohl. Im Puschlav sind das die Alpweiden oberhalb der Waldgrenze.
72 % der Schweizer Murmeltierjagd: Auf Graubünden entfallen laut Wikipedia rund 72 % der Abschüsse, das sind etwa 4'300 Tiere pro Jahr. Das zeigt, wie gross der Bestand in den Bündner Bergen ist.
Da wir Anfang Oktober haben, gehen die Murmeltiere gerade in den Winterschlaf. Wer sie noch pfeifen hören will, sollte also bald los. Im Sommer sind sie auf den Alpweiden wesentlich leichter zu entdecken.
Rothirsch: Wenn im Herbst das Tal röhrt
Der Rothirsch ist das grösste Wildtier der Region und im Oktober das akustische Highlight. Die Brunft dauert in der Schweiz laut nachhaltigleben.ch von Anfang September bis Mitte Oktober, mit dem Höhepunkt von Mitte September bis Mitte Oktober.
13'485 Hirsche: So viele leben nach der Schätzung für Frühling 2026 im Kanton Graubünden. 2016 waren es noch 16'500 (Quelle: RAOnline, Kanton Graubünden).
4'616 Tiere: So gross ist der Abschussplan 2026, davon 2'514 weibliche Tiere (Quelle: wildbeimwild.com). Die Jagd soll den Bestand verträglich halten.
2/3 Schutzwald: Zwei Drittel des Bündner Waldes schützen vor Naturgefahren. Zu viele Hirsche fressen junge Bäume und gefährden diese Funktion (Quelle: RAOnline, 2016).
Über 2'000 Hirsche: So viele verbringen laut nachhaltigleben.ch die Brunft im Schweizerischen Nationalpark im Engadin, nur eine Passstrasse vom Puschlav entfernt.
Hirschbrunft im Puschlav erleben: So klappt es
Die Brunft ist ein Naturschauspiel, aber sie ist auch eine Stresszeit für die Tiere. Mit etwas Vorbereitung erlebt ihr sie ruhig und ohne die Hirsche zu stören.
Morgens und abends: In der Dämmerung sind die Hirsche am aktivsten. Plant eine Wanderung, die vor Sonnenaufgang beginnt oder vor Sonnenuntergang endet, und nehmt Stirnlampen mit.
Mit Abstand: Bleibt auf den markierten Wegen und haltet Distanz. Ein Fernglas zeigt euch mehr als jeder Schritt näher.
Hunde an die Leine: Gerade in der Brunft und im Winter sind Wildtiere auf Ruhe angewiesen. Wildruhezonen sind markiert und gelten, auch wenn niemand kontrolliert.
Geführte Touren nutzen: Im Nationalpark im Engadin sind Val Trupchun und Val Mingèr beliebte Beobachtungsorte, Touren muss man laut nachhaltigleben.ch vorab buchen.
Leise sein: Kinder lernen schnell, dass Flüstern und Stillstehen mehr bringen als Rufen. Das macht die Beobachtung zum Spiel.
Tierwelt und Landwirtschaft: Warum Bio dem Tal guttut
Im Puschlav arbeiten Landwirtschaft und Natur enger zusammen als in vielen anderen Alpentälern. Mit 83.5 % Bio-Fläche (2021) und 63 biozertifizierten Betrieben von 84 gibt es kaum Pestizide auf den Wiesen. Das ist gut für Insekten, Vögel und letztlich auch für die Tiere weiter oben in der Nahrungskette.
Für Gäste hat das einen angenehmen Nebeneffekt: Wer morgens am Dorfrand spaziert, hört oft mehr Vogelgesang und Grillen als anderswo. Und was auf dem Teller landet, stammt häufig aus derselben Landschaft, durch die ihr gewandert seid.
Tierwelt Puschlav beobachten: Tipps für Familien
Ein Fernglas pro Kind: Schon ein einfaches Modell macht aus einem Punkt am Hang einen Steinbock. Das motiviert auch Wanderfaule.
Frühe Starts: Wildtiere sind früh aktiv. Wer um 7 Uhr losläuft, sieht deutlich mehr als um 11 Uhr.
Wetter prüfen: Nach einem ersten Schneefall im September oder Oktober ziehen Hirsche und Gämsen tiefer. Dann sind sie leichter zu entdecken.
Bahn kombinieren: Mit der Berninabahn könnt ihr hoch fahren und zu Fuss absteigen. So bleibt die Strecke für Kinder machbar.
Spuren lesen: Trittsiegel, Losung und Murmeltierbauten sind für Kinder oft spannender als das Tier selbst.
Euer Ausgangspunkt: Ferienhäuser von Holiweek
Wer die Tierwelt im Puschlav in Ruhe erleben möchte, braucht einen Ort, an dem man früh starten und abends zur Ruhe kommen kann. Genau dafür haben wir unsere Ferienhäuser und Wohnungen in Poschiavo ausgewählt: Casa Beni, Casa Rustico, Casa Nicola, Casa Presa Daint, Casa The View und die Wohnung Poschiavo. Von dort seid ihr zu Fuss oder mit Bahn und Bus schnell bei den Wanderwegen.
Alle Häuser, Fotos und freien Termine findet ihr auf holiweek.ch. Schaut vorbei und plant euren Herbst im Valposchiavo.



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