Die Berninabahn – Durch das Puschlav auf dem UNESCO-Welterbe der Alpen
- laura1cortesi
- vor 4 Tagen
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Wer einmal mit der Berninabahn durch das Puschlav gefahren ist, vergisst diese Reise nie wieder. Die knallrote Schmalspurbahn der Rhätischen Bahn windet sich auf 61 Kilometern vom Engadin über den Berninapass bis ins italienische Tirano – und durchquert dabei eines der schönsten und eigenwilligsten Täler der Schweiz. Kein Wunder, dass die Berninabahn im Jahr 2008 von der UNESCO zum Welterbe ernannt wurde. Für alle, die das Valposchiavo entdecken möchten, ist sie der schönste Einstieg.
Ein technisches Meisterwerk in den Alpen
Als die Berninabahn am 5. Juli 1910 offiziell eröffnet wurde, staunten Ingenieure und Reisende gleichermassen. Was die Erbauer in nur vier Jahren – von 1906 bis 1910 – auf die Schienen gebracht hatten, war eine technische Meisterleistung: Die Bahn überwindet ohne Zahnräder einen Höhenunterschied von 1.824 Metern. Sie steigt vom Hauptort Poschiavo auf 1.014 Meter hinauf zum Ospizio Bernina auf 2.253 Metern über Meer – dem höchsten Punkt einer reinen Adhäsionsbahn in den gesamten Alpen. Mit einer Maximalsteigung von 70 Promille (7 Prozent) gehört sie zu den steilsten Adhäsionsbahnen der Welt (gemäss Rhätischer Bahn / Wikipedia).
Die Strecke führt über 52 Viadukte und Brücken sowie durch 13 Tunnel und Galerien. Besonders berühmt ist der kreisförmige Brusio-Spiralviadukt im untersten Abschnitt des Puschlavs: Weil das Gefälle auf engem Raum sonst zu steil wäre, dreht sich der Zug hier in einer vollständigen Kreisspirale um sich selbst – ein einzigartiges Ingenieurbauwerk aus dem frühen 20. Jahrhundert, das heute Eisenbahnfans und Reisende aus aller Welt anzieht.
Das UNESCO-Welterbe: Eine globale Anerkennung
Am 7. Juli 2008 nahm die UNESCO die Rhätische Bahn im Albula/Bernina-Gebiet als grenzüberschreitendes Erbe der Schweiz und Italiens in ihr Welterbe-Register auf – unter dem offiziellen Namen "Rhaetian Railway in the Albula / Bernina Landscapes". Die Anerkennung gilt nicht nur der ingenieurtechnischen Leistung, sondern auch der einzigartigen Kulturlandschaft, die die Bahn durchquert: von alpinen Gletschern und Hochmooren über dichte Bergwälder bis zu mediterranen Weinbergen und Palmenhainen im Süden.
Die UNESCO würdigt ausdrücklich, wie die Bahn zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Isolation der Berggemeinschaften überwunden hat – und ihnen eine dauerhafte sozioökonomische Entwicklung ermöglichte. Ohne die Berninabahn wäre das Puschlav heute ein anderes Tal. Die Bahn war es, die Waren, Ideen und Menschen in dieses entlegene Seitental brachte – und es mit der übrigen Welt verband.
Was das Welterbe für Reisende bedeutet
Die Auszeichnung umfasst nicht nur die Schienen und Bauwerke selbst, sondern die gesamte Kulturlandschaft entlang der Strecke. Das bedeutet strengen Schutz vor unkontrollierter Bebauung, die Bewahrung traditioneller Nutzungsformen und das Gebot, die Bahn in ihrer historischen Erscheinung zu erhalten. Für Reisende heisst das: Die Fahrt mit der Berninabahn ist heute so ursprünglich und eindrücklich wie vor hundert Jahren.
Die Route durch das Valposchiavo – drei Klimazonen auf 25 Kilometern
Das Besondere an der Durchfahrt durch das Puschlav ist die extreme Naturvielfalt. Auf nur 25 Kilometern Tallänge wechselt die Bahn durch drei klar unterschiedliche Klimazonen – ein Phänomen, das im Alpenraum nahezu einzigartig ist und das Tal zu einem der artenreichsten Gebiete Graubündens macht.
Ospizio Bernina – die Hochalpenzone (2.253 m ü. M.)
Am Berninapass erwartet die Reisenden eine karge, atemberaubende Hochalpenwelt: weisse Gletscher, tiefblaue Bergseen – darunter der Lago Bianco – und moorige Hochflächen, auf denen im Sommer Steinböcke und Gämsen grasen. Es ist ein Ort der Stille und der grossen Weite. Wer hier aussteigt, findet sich plötzlich in einer anderen Welt wieder – und merkt, wie nah der Zug an der Natur ist.
Cavaglia – die alpine Zone (1.703 m ü. M.)
Weiter talwärts taucht die Bahn in dichte Bergwälder ein. In Cavaglia können Reisende aussteigen und die sogenannten Gletschergärten besuchen: natürliche Erosionskessel, die von Schmelzwasser aus der letzten Eiszeit in den Fels geschliffen wurden. Ein geologisches Schauspiel, das kostenlos zugänglich ist – und das Kinder wie Erwachsene gleichermassen fasziniert.
Le Prese und der Lago di Poschiavo (965 m ü. M.)
Im unteren Talabschnitt öffnet sich die Landschaft und gibt den Blick auf den Lago di Poschiavo frei – einen 3,5 Kilometer langen Bergsee, an dessen Ufer Palmen und Zypressen wachsen. Die Bahn fährt direkt am Seeufer entlang; kaum ein Reisender, der hier nicht an die Scheibe drängt. Im Sommer lädt der See zum Baden ein, und die Ortschaft Le Prese am Ufer hat eine der ältesten Kurhoteltraditionen der ganzen Region.
Das Tal hinter dem Zug – Leben im Puschlav
Das Valposchiavo ist ein Tal der Kontraste und der Eigenständigkeit. Auf einer Fläche von 237 Quadratkilometern leben rund 4.500 Menschen (Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz) – mehrheitlich Italienischsprachige, die seit Jahrhunderten ihre eigene Kultur, ihre eigene Küche und ihre eigenen Handelsbeziehungen pflegten. Historisch führten Puschlaver Kaufleute Kaffee über die Alpenpässe nach Norden und wurden damit wohlhabend. Ihre Palazzi im Hauptort Poschiavo zeugen bis heute von diesem Reichtum.
Die Landwirtschaft im Puschlav ist aussergewöhnlich: Im Rahmen des Projekts "100% Valposchiavo" werden über 97 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche biologisch bewirtschaftet – ein Wert, der schweizweit und international seinesgleichen sucht (gemäss Bio Suisse, 2024). Das prägt auch die lokale Küche: Frisches Gemüse aus dem Tal, Bergkäse, Wild und hausgemachte Pizzoccheri sind in den Restaurants von Poschiavo keine Ausnahme, sondern Alltag.
Mit der Bahn ankommen – und dann zu Fuss entdecken
Wer mit der Berninabahn anreist und im Puschlav aussteigt, hat über 250 Kilometer markierte Wanderwege vor sich (gemäss Valposchiavo Turismo). Die Wege führen von einfachen Talspaziergängen entlang des Lago di Poschiavo über mittelschwere Bergwege bis zu anspruchsvollen Gipfeltouren auf über 3.000 Meter.
Besonders beliebt ist die Route von der Alp Grüm (2.091 m ü. M.) hinunter nach Cavaglia: erst Hochalpenpanorama mit Blick auf den Palügletscher, dann Wälder, Weiden und Wasserfälle. Wer nicht den ganzen Weg zu Fuss gehen möchte, nimmt einfach wieder die Bahn zurück ins Tal – sie hält an allen wichtigen Ausgangspunkten und fährt mehrmals täglich.
Praktische Tipps für eure Berninabahn-Fahrt
Wann ist die beste Reisezeit?
Die Berninabahn ist ganzjährig in Betrieb. Im Sommer – von Juni bis September – bietet sie überwältigende Bergpanoramen mit grünen Alpwiesen und blühenden Bergblumen. Im Winter verwandelt sich die Hochalpenstrecke in eine Schneelandschaft von grosser Stille. Der Bernina Express der RhB fährt mit Panoramawagen und Glasdach; Reservierungen empfehlen sich besonders in den Sommermonaten.
Aussteigen lohnt sich
Ospizio Bernina, Alp Grüm, Cavaglia und Poschiavo – all diese Stationen laden zum Aussteigen und Entdecken ein. Mit einem Tagesticket der RhB sind beliebig viele Zu- und Ausstiege möglich. Wer das Puschlav als Ferienziel wählt, hat den grossen Vorteil, die Bahn täglich für Ausflüge nutzen zu können – ohne Stau, ohne Parkplatzsuche, direkt ab der Haustür des Ferienhauses.
Euer Ausgangspunkt: Ferienhäuser von Holiweek
Wer das Puschlav wirklich kennenlernen möchte, braucht mehr als einen Tag. Holiweek.ch bietet eine handverlesene Auswahl an Ferienhäusern und -wohnungen direkt im Valposchiavo – von der rustikalen Casa Rustico bis zur modernen Casa The View mit Panoramablick auf die Berge und das Tal.
Stellt euch vor: morgens früh aufstehen, auf der Veranda einen Espresso trinken, während die Berge noch im Morgenlicht leuchten – und dann einfach zur Bahnstation spazieren und mit der Welterbebahn losfahren. Abends zurückkehren, lokal essen, den Sternen über dem Puschlav lauschen. So geht Urlaub in einem der schönsten Täler der Alpen.
Schaut vorbei auf holiweek.ch und findet euer Ferienhaus im Valposchiavo. Wir freuen uns auf euch.


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