Die Berninabahn: UNESCO-Welterbe auf Schienen durch das Puschlav
- laura1cortesi
- vor 2 Tagen
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Es gibt Bahnfahrten, die man einfach erlebt – und dann gibt es die Berninabahn durch das Puschlav. Wer einmal in einem Panoramawagen des Bernina Express gesessen und dabei zugeschaut hat, wie die Welt hinter dem Fenster von alpinen Gletschern zu mediterranen Palmen wechselt, versteht sofort, warum diese Strecke seit 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Das Puschlav – auch Valposchiavo genannt – ist dabei mehr als nur Durchgangsregion: Es ist Herzstück, Schauplatz und stilles Wunder dieser aussergewöhnlichen Reise.
Eine Bahn schreibt Geschichte
Die Berninabahn wurde 1910 eröffnet – und war von Anfang an ein Wagnis. Damals zweifelte mancher Ingenieur daran, ob eine meterspurige Adhäsionsbahn tatsächlich ohne Zahnrad das Berninamassiv überwinden könne. Heute weiss man: Es funktioniert. Mit einer Steigung von bis zu 70 Promille – das entspricht sieben Zentimetern Höhenunterschied pro Meter Strecke – zählt die Berninabahn zu den steilsten Adhäsionsbahnen der Welt (laut RhB). Am 7. Juli 2008 wurde sie gemeinsam mit der Albulabahn als «Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bernina» in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen – ein Meilenstein für die Region und für die Schweizer Bahngeschichte.
Was die Berninabahn so besonders macht, ist nicht allein die Technik, sondern die Art, wie sie in die Landschaft eingebettet ist. Sie durchquert keine gesichtslosen Tunnels, sondern öffnet sich immer wieder zu atemberaubenden Panoramen: auf den Morteratschgletscher, auf den Lago di Poschiavo, auf die Weinberge rund um Brusio. Die Bahn ist Teil der Landschaft – und die Landschaft ist Teil der Bahn.
Die Berninabahn in Zahlen
Was die Berninabahn technisch leistet, ist beeindruckend. Hier einige Zahlen, die das verdeutlichen:
122 Kilometer misst die UNESCO-Route von Thusis bis Tirano
196 Brücken und 55 Tunnel überwindet die Strecke (laut UNESCO World Heritage Centre)
2253 Meter über Meer liegt der höchste Punkt beim Ospizio Bernina – damit ist die Berninabahn die höchste Adhäsionsbahn der Alpen
1824 Meter Höhenunterschied werden zwischen dem Berninapass und Tirano auf nur 22 Kilometer Strecke überwunden
70 Promille beträgt die maximale Steigung – sieben Zentimeter pro Meter Schiene
Diese Zahlen klingen abstrakt – aber wer auf der Fahrt aus dem Fenster schaut, spürt, was sie bedeuten: das langsame Gleiten durch eine Welt, die sich in kurzer Zeit vollständig verwandelt.
Das Herz der Strecke: Das Puschlav
Wer mit der Berninabahn Puschlav von Norden nach Süden durchquert, erlebt das Tal wie eine langsame Offenbarung. Hinter dem Berninapass beginnt die Fahrt hinunter ins Tal: vorbei an Bergwiesen, durch Steinschlagschutzgalerien, immer den türkisfarbenen Lago di Poschiavo im Blick. Das Tal hat eine Fläche von 191 Quadratkilometern und zählt rund 4600 Einwohnerinnen und Einwohner – es ist eine der kompaktesten und zugleich vielfältigsten Kulturlandschaften der Schweiz.
Das Tal liegt geografisch zwischen zwei Welten: Im Norden der Berninapass mit seinem kontinentalen Klima, im Süden der Übergang ins warme Veltlin. Diese Lage schenkt dem Puschlav eine aussergewöhnliche Biodiversität. Auf engem Raum wachsen alpine Edelweisse und mediterrane Kastanienwälder nebeneinander. Wer im Herbst durchs Tal fährt, sieht die Weinstöcke von Brusio gleichzeitig mit den Lärchen am Berghang in leuchtendem Rot und Gold.
Der Kreisviadukt von Brusio – ein Ingenieurdenkmal
Einer der bekanntesten Punkte der gesamten Berninastrecke liegt mitten im Puschlav: der Kreisviadukt von Brusio. Dieser steinerne Viadukt bildet eine vollständige Schlaufe – der Zug fährt im Kreis, um auf engem Raum Höhe abzubauen, ohne den natürlichen Verlauf des Tals zu stören. Das Bauwerk stammt aus dem Jahr 1908, ist rund 102 Meter lang und hat einen Radius von 70 Metern. Er gilt weltweit als eines der eindrücklichsten Beispiele für Bahnbaukunst und ist fester Bestandteil des UNESCO-Welterbes.
Wer einmal Glück hat und beim Einfahren in die Schlaufe nach hinten blickt, sieht den eigenen Zug über sich – ein Moment, der Fahrgäste seit über 100 Jahren verblüfft. Der Kreisviadukt ist eine der meistfotografierten Bahnstellen weltweit, und das zu Recht.
Natur erleben im Rhythmus der Bahn
Die Berninabahn bietet etwas, das kaum ein anderes Verkehrsmittel kann: Sie verlangsamt. Wer im Panoramawagen sitzt, schaut hin. Man sieht Greifvögel über den Berghängen kreisen, die Schneegrenze im Frühling Woche um Woche tiefer werden, und im Sommer die Almwiesen in voller Blüte. Für Familien ist die Fahrt ein Erlebnis für sich – Kinder hängen begeistert an den Fenstern, lange bevor das eigentliche Reiseziel erreicht ist.
Die Berninabahn ist dabei nicht nur Touristenattraktion: Sie ist das wichtigste Verkehrsmittel für die Einwohnerinnen und Einwohner des Tales. Nachhaltigkeit ist hier kein Schlagwort, sondern gelebte Realität – die Bahn der Rhätischen Bahn wird mit 100 Prozent erneuerbarer Energie betrieben. So lässt sich das Puschlav klimaschonend bereisen, ohne auf Komfort zu verzichten.
Ein Tal, das mehr ist als eine Durchgangsstation
Viele Reisende fahren mit dem Bernina Express durch das Puschlav, ohne auszusteigen. Das ist verständlich – und gleichzeitig schade. Denn das Tal hat eine eigene, unverwechselbare Qualität. Die Hauptgemeinde Poschiavo mit ihrer historischen Altstadt und dem spanischen Viertel – erbaut von zurückgekehrten Auswanderern im 18. und 19. Jahrhundert – ist ein Kleinod, das kaum bekannt ist. Die Beiz am Dorfplatz, der Markt am Samstagmorgen, die Gespräche im Dialekt des Puschlav: Das ist kein inszenierter Tourismus, sondern echtes Leben.
Das Puschlav hat sich in den vergangenen Jahren national und international als Vorzeigeregion für nachhaltige Entwicklung einen Namen gemacht. Mehr als 83 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Tal sind biologisch zertifiziert – ein schweizweiter Spitzenwert (gemäss Valposchiavo Turismo, Stand 2021). Die Region setzt konsequent auf lokale Wertschöpfung: von der Käserei bis zur Schiefergewinnung, vom Weinanbau bis zum Tourismus.
Wer das Puschlav per Bahn besucht, bemerkt schnell, dass hier eine Grundhaltung herrscht, die über «grünes Marketing» weit hinausgeht: Die Menschen im Tal haben sich bewusst für eine bestimmte Art zu leben entschieden – verankert in der Landschaft, offen gegenüber Gästen.
Praktische Tipps für die Fahrt
Wer die Berninabahn Puschlav optimal erleben will, beachtet ein paar einfache Dinge: Die Fahrt von St. Moritz nach Tirano dauert rund zweieinhalb Stunden. Panoramawagen gibt es im Bernina Express (Reservierung empfohlen), auf dem Trenino Rosso von Tirano aus ist der Einstieg günstiger und meist spontan möglich. Die beste Zeit für die Fahrt? Frühling und Herbst, wenn die Natur besonders dramatisch wirkt und die Züge weniger voll sind.
Wer im Puschlav übernachtet, kann die Bahn auch in Abschnitten geniessen: zum Beispiel von Poschiavo nach Ospizio Bernina, um oben zu wandern und mit dem nächsten Zug wieder ins Tal zu fahren. Mit dem Halbtax oder einem Generalabonnement ist das eine der schönsten und günstigsten Freizeitaktivitäten, die die Schweiz zu bieten hat.
Euer Ausgangspunkt: Ferienhäuser von Holiweek
Die Berninabahn bringt euch bis ins Puschlav – und Holiweek bringt euch nach Hause. Mit Ferienhäusern wie der Casa Beni, Casa Rustico, Casa Nicola, Casa Presa Daint, Casa The View und der Wohnung Poschiavo bietet Holiweek.ch komfortable und authentische Unterkünfte direkt im Herzen des Valposchiavo. Kommt mit dem Bernina Express, lasst das Auto stehen und entdeckt das Tal so, wie es seine Bewohnerinnen und Bewohner selbst kennen – zu Fuss, mit dem Velo oder eben per Bahn.
Von der Haustüre aus seid ihr in wenigen Minuten an der Bahnstation – und von dort aus in der ganzen Welt. Bucht euer Ferienhaus auf holiweek.ch und erlebt das Puschlav abseits des Alltags.


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